Verein

Derzeit gehören dem Fasnachtsverein ca. 250 Aktiv- und Passivmitglieder an, davon sind ca. 25 auch Mitglieder der Maskelgruppe.


Der Fasnachtsverein Erzinger Rebfüdle wurde am 26. Oktober 1996 gegründet. Die Gründungsversammlung fand im Gasthaus Löwen in Erzingen statt. Den Anstoß dazu gaben Axel Baumgartner, Gabriele Indlekofer und Regina Dreher. Schnell waren weitere Verbündete gefunden, die ebenso den Wunsch und die Zielsetzung hatten die Narretei, das Brauchtum und die Fasnachtsbräuche in Erzingen wiederzubeleben.
Bis zur Geburt von Häs und Holzmaske trugen die Rebfüdle einen einfachen, weißen Anzug, dazu eine rotgrüne Perücke, was auch am Schmutzigen Dunschdig heute noch getragen wird. Da Erzingen ein Weinanbaugebiet ist, entschlossen sich die Narren den Rebstock als Fasnachtsfigur darzustellen. Die kunstvoll geschnitzten Holz-Masken wurden von Kunstbildhauer Eberhard Rieber, aus Jestetten 1999 entworfen und geschnitzt. Das Häs mit der Kopfbedeckung wurde von den Mitgliedern in Eigenarbeit hergestellt. Das braune Häs stellt den Rebstock von der Wurzel aus dar. Das Vorderteil schmückt eine Burgunder-Weintraube. Die Holz-Maske zeigt das urchig knorrige „Füdle“, den Teil der Rebe, den man früher als „Rebfüdle“ bezeichnete. Häs und Kopfschmuck sind nach einer Idee von Gabriele Indlekofer gefertigt und bemalt. Derzeit besteht der Fasnachtsverein Erzinger Rebfüdle aus ca. 250 Aktiv- und Passivmitgliedern, davon der Narrenpolizist, 35 Masken- und Hästräger, 12 Jugendmasken, einer Tanzgarde und einer Jugendtanzgruppe mit zur Zeit über 30 Jugendlichen (Jugendarbeit).
Im Herbst 1999 sind die Rebfüdle der Narrenvereinigung Kleggau beigetreten. Im Jahre 2002 richtete der Verein das 23. Kleggau Narrentreffen aus.

Nach Regina Dreher, ein Mitglied der ersten Stunde, die von 1996 bis 1998 den Vorsitz inne hatte, folgte Gabriele Indlekofer, die als Gründungsmitglied und erste Vorsitzende 2008 nach 10 Jahren ihr Amt an ihren Vize Jens Griesser übergab. Als Ehrenpräsidentin, steht Gabriele Indlekofer dem Verein jedoch weiterhin mit Rat und Tat zur Seite.

Wunsch für die Zukunft: Eine weiterhin gute Kameradschaft, neue Mitglieder und die Fortführung des närrischen Brauchtums.


Rebfüdle

Närrische, etymologische Begründung für die
Bezeichnung „Rebfüdle“ des Erzinger Fasnachtsverein 

von Hubert Roth

Die sprachlichen Ausdrücke bzw. Wörter für das menschliche Hinterteil werden von uns Menschen i.d.R. als vulgär empfunden – und wurden daher seit jeher tabuisiert. Nicht so das alt-alemannische Wort F ü d l e, im alemannischen Sprachgebrauch die Bezeichnung für den Hintern des „homo sapiens“. Das Wort „Füdle“ ist vom mittelhochdeutschen „vut“ abgeleitet und bezeichnet die Stelle, wo sich als Verbindung der Oberschenkel zum Becken in betont sichtbarer Ausbildung der größte Muskel des menschlichen Körpers befindet, der an der Evolution des Menschen dadurch Anteil hat, weil er unseren menschlichen Vorfahren erst den aufrechten Gang als „homo erectus“ ermöglichte und damit wesentlich zur Entwicklung zum „homo sapiens“ beitrug. Die berechtigte Frage schließt sich nunmehr aber an, wie denn wohl der Stock der Weinrebe mit dem menschlichen Hinterteil, dem „Füdle“, in eine sprachliche Verbindung zu bringen ist. Dazu muss kurz auf die biologische Konstruktion der Weinrebe und auf die Bearbeitung derselben durch den Winzer eingegangen werden, denn erst durch diese Symbiose entsteht das, was rebbauende Alemannen als Rebfüdle bezeichnen.Wie andere Holzgewächse setzt sich auch der Wurzelstamm der Weinrebe oberirdisch als Stamm (altes Holz) fort, der bei den verschiedenen Schnitt- und Erziehungsarten des Winzers eine verschiedene Länge haben kann. Dieser Stamm des Rebstockes endet in Form eines Kopfes über dem Boden. An diesem werden vom Winzer beim Rebschnitt das nicht benötigte einjährige – und das abgetragene alte Holz entfernt und Zapfen (Schenkel genannt) angeschnitten, aus denen die neuen Triebe/Ruten der Rebe ausschlagen. Diese kopfartige Übergangsstelle des Rebstockes, von den Wurzeln über den Stamm zu den Schenkeln und den Trieben, bis schließlich zu den Blättern und Früchten ist

das Rebfüdle

Wenn man dazu nun die eingangs erläuterte Anatomie des menschlichen Körpers vergleichend in Betracht zieht, ist die Bezeichnung in der Tat kein weit hergeholter Begriff, denn er erhält eine durchaus berechtigte Analogie zum Weinstock. Das „Rebfüdle“ hat aber nicht nur einen Bezug zur menschlichen Anatomie, zum Brauchtum und zur Historie und zum traditionellen Rebbau im Klettgau, sondern auf Grund der vielen – dem Begriff „Rebfüdle“ innewohnenden Implikationen durchaus auch eine närrische Komponente. Über das Brauchtum und die Historie hinaus findet sich nämlich mit der Etymologie der alemannischen Sprache problemlos eine tragfähige Brücke zur alemannischen Fasnacht, denn die Fasnächtler „fudled“ oder „füdeled“ (was soviel heißt wie: schwänzelnd gehen, den Hintern wiegen) alljährlich närrisch „voruckt“ hinter ihren „Narros“ her und um den „Narrenbaum“ herum. Närrisch, eben wie „närrische Rebfüdle“.

Klettgau, im Mai 1999

gez. Hubert Roth